59. Wissen ist Macht, nix Wissen macht auch nix.

Unser Bildungssystem ist ein zweischneidiges Schwert.
Die Grundidee für freie Bildung ist etwas wunderbares, sofern dies tatsächlich für
reale, freie Bildung verwendet wird und nicht einfach nur für eine Indoktrinierung, wie auch Konditionierung von nur einem Blickwinkel einer Quelle mit gleichzeitiger Ablehnung aller anderen Quellen.

Bildung ist frei bedeutet bei mir das jegliche Form des Wissens frei für jeden
zugänglich ist. So wäre das ganze Leben bereits eine Schule und wir gehen zu jenen
Menschen, Orten, von denen wir glauben lernen zu können.
So können unsere Kinder tatsächlich das lernen, was sie wirklich interessiert.
Bei jedem liegen die Interessen anders, so können alle ebenso untereinander profitieren, als Kollektiv, so was der eine an Wissen sammelt, erfährt das gesamte Kollektiv als Energie.

Unser Schulsystem ist vielerorts zu unflexibel und wird selbst von den Lehrern
noch nicht ganz verstanden. So wird selten auf jeden einzelnen Schüler eingegangen
und das, was der Schüler nicht versteht, wird schlecht bewertet. So glauben viele
Lehrer, sie benoten ihre Schüler. Doch in Wirklichkeit benotet der Lehrer sich
selbst, nämlich wie gut man selber imstande ist jedem einzelnen Schüler das
eigene Wissen zu vermitteln.
Wenn man Schülern eine nicht so gute Zahl gibt, sagt das im Grunde nur, das man nicht imstande war diesem Schüler das eigene Wissen verständlich zu vermitteln, so kann der Lehrer ebenso vom Schüler lernen, indem man mit dem Schüler spricht und
herausfindet, wo die Interessen liegen, wie der Schüler lernt, wie er seine Umgebung wahr nimmt, um speziell auf jeden Schüler eingehen zu können.

In dieser Hinsicht kann und darf noch viel am Bildungssystem verbessert werden, so
wie auch die eigene Gestaltung des Unterrichts und welches Wissen vermittelt
wird, aus der Position des Lehrers aus.
Eine Möglichkeit den Unterricht Schülergerecht zu gestalten liegt darin mit den Schülern zusammen zu arbeiten. Das kann sich unter anderem so gestalten, das
man als Lehrer eine gewisse Vorgabe gibt.
Ein bestimmtes Wissen, was innerhalb von einem Zeitraum vermittelt wird. Nun bilden die Schüler Lerngruppen, um dieses Wissen gemeinsam zu besprechen. Dies hat jedoch noch einen kleinen Hintergedanken.
Am Ende dieser Lerngruppe ist der Schüler der Lehrer und vemittelt auf seine Art und
Weise den anderen Schülern das Wissen, wie man es selber am besten verstanden hat. Im Grunde führen viele Wege nach Rom und die Art zu unterrichten ist wirklich
entscheidend, da wirklich jeder anders lernt und versteht. Hier hat der Lehrer tatsächlich die Möglichkeit zu erkennen, wie der Schüler versteht, erkennt und
begreift, der Lehrer lernt wörtlich vom Schüler, wie er lernt. Somit ist eine
Zusammenarbeit von Schüler und Lehrer unendlich wichtig und wertvoll.
Oft ist es leider ein Einseitiger Unterricht, in dem der Lehrer glaubt bereits alles zu wissen und der Schüler überhaupt nix weiß.
Lernen funktioniert nur in beiden Richtungen, niemals in nur eine. Der Lehrer ist immer auch ein Schüler, wie auch der Schüler immer auch ein Lehrer ist.
Wenn der Schüler die Möglichkeit hat der Klasse das Wissen auf seine Art und Weise zu vermitteln, ist der Schüler ganz klar der Lehrer und der Lehrer ganz klar der
Schüler, wenn dieser hier erkennt, wie der Schüler lernt und begreift.
So funktioniert es in beide Richtungen und der Schüler bekommt einen Eindruck davon, das es ein Lehrer oft schwerer hat, als man glaubt.

Als ich eine Ausbildung zur Sicherheitskraft gemacht habe, hatte ich als erstes einen Lehrer, der sehr theoretisch ist und ehemaliger Ausbilder in der Bundeswehr war. Er war durchaus ein sehr intelligenter Mensch mit einem großen Wissensschatz, doch habe ich auf seine Art und Weise das Wissen, was er vermittelt hat nicht verstanden, da es für mich sehr theoretisch und trocken war.
Doch zum Glück war es lediglich ein Vertretungslehrer. Der eigentliche Lehrer
bzw. Ausbilder war eher ein praktischer Mensch, der uns mit dem Wissen arbeiten
ließ. So durften wir uns das, was wir wissen alles selber erarbeiten und selbstständig erfahren, nach dem Wissen handeln und kein stures auswendig lernen.
Hinterher wurde darüber gesprochen, was richtig war, was man eventuell noch hätte
berücksichtigen können, es war ein sehr entspannter Unterricht und für mich
vollkommen selbstklärend. So habe ich für keine Prüfung gelernt und wusste dennoch
alle Antworten.

Ich selber war häufig unzufrieden mit der Art des Bildungssystems, fühlte mich oft
unterfordert, gelangweilt und hatte deshalb auch selten Interesse dem Unterricht tatsächlich zu folgen. Es wurde einfach nur versucht Wissen in die Köpfe zu stopfen auf eine stupide Art des auswendig lernen und wiederholen.

Das ist für mich keine Bildung, das ist für mich Konditionierung.
Es wurde nur sehr selten mit den Schülern zusammen gearbeitet, was sehr schade ist. Oft gestaltete sich der Unterricht sehr ungerecht. So erinnere ich mich noch an eine Situation, in der ich in einem Fach im mündlichen Bereich eine Fünf auf dem Zeugnis zu stehen hatte mit der Begründung, das ich kaum mitarbeiten würde, obwohl ich mich ab und zu meldete und auch ab und an unfreiwillig vom Lehrer aufgerufen wurde die Aufgabe zu lösen, während ein anderer Schüler, welcher das ganze Jahr über still war im mündlichen eine 2 bekam, ohne auch nur ein einziges mal aufgerufen zu werden oder sich zu melden mit der Begründung, das dieser Schüler ja mitdenken würde und somit im mündlichen ganz klar auch eine gute Note bekam, obgleich dieser sich mündlich am Unterricht beteiligte oder nicht.

Interessanterweise machen es sich viele Lehrer gerne sehr einfach. So zum Beispiel sagen sie schnell und gerne, dieses oder jenes kann ich nicht lesen und wird somit gleich als Fehler gekennzeichnet, ohne den Schüler vielleicht zu fragen, wie hast du dieses oder jenes geschrieben? Warum hast du es dort so eng geschrieben? Oft schreibt man sehr eng, weil der Platz einfach zu wenig ist und der Lehrer macht das zu einem Fehler, weil dieser der Meinung ist man hätte diese Worte zusammen geschrieben.

Viele Lehrer fühlen sich erhaben auf ihrer Position und behaupten oft nur allzu
gerne:"Der Schüler möchte ja von mir lernen." Nein! Wer so denkt, steig bitte
von deinem hohem Ross herunter, so viel Arroganz ist bei einem Lehrer fehl am
Platz. Du möchtest den Schülern dein Wissen vermitteln, deshalb hast du dich
dazu entschieden Lehrer zu werden.
Ich möchte hiermit keinen Lehrer verurteilen einen schlechten Job zu
machen, sondern lediglich zum Nachdenken anregen es besser zu machen.

Schaut euch die Kinder an, schaut euch eure Schüler an. Wie man sie behandelt.
Sie sind unsere Zukunft. Ein banales aber durchaus denkbares Beispiel. Wer als
Lehrer weniger daran interessiert ist sein Wissen tatsächlich zu vermitteln, lässt
Menschen in die Welt, welche von Mathe oder anderen Dingen keine Ahnung haben,
solche Menschen werden dann vielleicht Politiker oder Ärzte, vielleicht ist man
später als Lehrer auf einen Arzt angewiesen, dieser vertauscht ausversehen zwei Medikamente miteinander, welche für den Lehrer, der darauf angewiesen ist
eventuell tödlich enden kann.
So frage ich, wer möchte so etwas? Hören wir doch endlich auf unsere Kinder zu verarschen und sie bewerten aufgrund dessen, wie gut oder schlecht sie imstande sind uns zu folgen.

Fangen wir an ihnen zuzuhören, sie ernst zu nehmen, als vollwertige Menschen.